Stiller Abschied – Alzheimer

Ein Film mit Christiane Hörbiger, der am 14.10.2013 ausgestrahlt wurde.

Christiane Hörbiger, geb. am 13.10.1938, wird zum 75. Geburtstag mit etlichen Filmen geehrt. Die Erstausstrahlung des Films „Stiller Abschied“ handelt von einer älteren Frau, die noch berufstätig ist und unter der Demenzerkrankung genannt Alzheimer leidet.

Er zeigt den Beginn einer schleichenden Erkrankung mit den Verhaltensstörungen, den Vorwürfen und Verdächtigungen gegenüber den nächsten Angehörigen und den Ängsten, den Verstand zu verlieren.

Der Film – soweit gut gemacht – endete dort, wo die Probleme im richtigen Leben erst anfangen. Aussenstehende oder Verwandte, die nur ab und zu mal zu Besuch kommen, merken den schleichenden Prozess oft gar nicht. Die lange Abschiedsrede war nicht authentisch und eher ein Fantasiegebilde des Autors, minderte aber nicht die Qualität.

Ich habe jahrelang meine Mutter gepflegt – eine Normalhausfrau ohne eigenes Einkommen – und den schleichenden Tod miterlebt. Es war ein tägliches Sterben und Abschiednehmen. Die schlimmsten Zeiten waren nicht, als sie wie ein Baby gewickelt und gefüttert werden musste, sondern die schlimmsten Zeiten waren anfangs die Vorwürfe und Anschuldigungen für „verlorene Dinge“ (die sich bald wieder fanden) und später ihre Traurigkeit, weil sie sich in der Welt nicht zurecht fand.

Alzheimerkranke gehen zeitmässig zurück in ihr altes Leben, sie fühlen sich wie 60, 50, 40 ….. die Schwestern werden als „alte Tanten“ angesehen und die eigenen Kinder als gleichaltrige Geschwister. Sie haben Angst vor dem alten Mann oder Frau, die sie im Spiegelbild sehen.

Mit den alltäglichen Dingen, die ihnen von klein an beigebracht wurden, können sie nichts mehr anfangen. Toilettenpapier – falls es überhaupt benutzt wird – wird aus dem Fenster geworfen und die Hände werden in der Toilette gewaschen, weil ja aus dem Wasserhahn kein Wasser kommt. Kleidung wird so angezogen, wie es gefällt. Da blitzt schon mal das Nachthemd unterm Kleid hervor oder die Pelzmütze wird bei 30° aufgesetzt.

Noch weiter zurück geht es ins Kindesalter. Eine Unruhezeit, in der der Drang gross ist, „nach Hause“ zu wollen, nach den Eltern und Geschwistern, wie es damals war. Da auch das Tag- und Nachtbewusstsein nachlässt, werden keine Ruhezeiten (die für die pflegenden Angehörigen so nötig wären) eingehalten. Wehe, wenn eine Türe oder ein Fenster nicht verschlossen ist ….

Weiter zurück geht es ins Babyalter und mit der Bettlägerigkeit wird der Umgang leichter, aber nicht einfacher. Es kommen andere Probleme, vor allem was mit Essen und Trinken zusammenhängt ……

Autor: Ursula Ortmann, Rees

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Eine Antwort zu Stiller Abschied – Alzheimer

  1. nandalya schreibt:

    Ich habe den Film nicht gesehen, aber heute einen Artikel über die Krankheit gelesen. Es muss schrecklich sein, alles zu vergessen. Danke, dass du uns einen so persönlichen Einblick gewährt hast, liebe Ursula.

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