Der Kampf der Krieger

Ein Krieger zieht erst in den Kampf, wenn er gut ausgebildet ist. Zumindestens sollte er das, alles andere wäre dumm. In der westlichen Welt beinhaltet die Ausbildung eine Überforderung an den Körper und unbedingten Gehorsam. Wer nicht als „Kanonenfutter“ gedacht war, erhielt keinerlei Ausbildung. Selbst die Schulsportstunden wurden bei Lehrermangel als erstes – da unwichtig – gestrichen.

In Asien war die Schulung des Kampfes eine Schulung des Geistes. Lernen, Bewegung, Integration und Bahnung der Energien bildeten eine Einheit. Es ging um Selbsterkennung und finden des Lebensweges. Der grösste Gegner, der besiegt werden sollte, steckte in einem selber.

Kaum sind wir auf der Welt angekommen, kämpfen wir. Wir kämpfen ums Überleben, wir kämpfen gegen Krankheiten, Fieber. Wir kämpfen gegen Geschwister um Vorrechte oder Liebe der Eltern. Wir kämpfen in der Schule um Noten, um Freunde – und spielen so manchen Gegner aus. Wir kämpfen um Ausbildungs- und Arbeitsplätze – und sind der ewigen Kämpferei müde. Wir kämpfen gegen alles, was uns nicht gefällt und am Lebensende kämpfen wir sogar mit dem Tod – einen Kampf, den wir sowieso verlieren.

Wir kämpfen, weil uns beigebracht wurde, zu kämpfen.

In einer Aufstellung sagte jemand: „Ich habe bisher immer für andere gekämpft, jetzt kämpfe ich für mich.“ Die Aufstellerin stellte einen Kämpfer auf und fragte, was man jetzt sieht. Man sah eine steife Figur mit geballten Fäusten und angespanntem Gesicht, einer Statue gleich.

Ein Leben im Kampf ist beschwerlich, anstrengend und lieblos.

Wir alle haben den Krieger in uns. Es gibt dabei Unterschiede und zwar zwischen dem Krieger, der noch kämpfen muss und dem, der nicht mehr kämpfen muss.

Jede Ausbildung – egal welche Richtung – stärkt das Selbstbewusstsein. Auch die Auseinandersetzung mit sich selber ist eine kämpferische Ausbildung, nur dass sie diesmal nicht gegen jemanden anderen gerichtet ist. Wenn ich mich mit mir auseinandersetze, sehe ich Ecken und Kanten und ich werde nichts mehr unternehmen, um sie zu beschönigen, zu vertuschen oder zu ändern. Sie dürfen sein, da sie ein Teil meiner Persönlichkeit sind.

Ich stecke keine Kraft mehr in Dinge, die ich nicht mag.

Mir ist klar, dass ich kämpfen kann, aber nicht muss. So kann ich meine Energie den Dingen widmen, die mich wirklich interessieren, anstatt dem beleidigten Ego zu frönen. Dabei wissen wir ganz genau, dass wir allem, was wir ablehnen, unsere Kraft geben und damit stärken. Erst durch das Nichtbeachten werden die Gespenster, die uns ärgern, kleiner und kleiner, durch jede Kampfhandlung und Beachtung werden sie grösser und grösser.

Autor: Ursula Ortmann, Rees

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