Trauer und Tränen

Trauer gehört zu den Emotionen, die sich – auch – versteckt bemerkbar machen. Als meine Mutter durch ihre Alzheimererkrankung langsam dahinsiechte, empfand ich oft Trauer über diesen Zustand. Als sie dann starb, fühlte ich nur Erleichterung.

So kann man Teilnehmer werden an Situationen, die von grosser Traurigkeit durchzogen sind und man eine so tiefe Trauer empfindet, die einem bisher fremd war.

Natürlich frage ich mich, woher das kommen kann. Ich habe meine Gefühlswelt aufgeteilt in verschiedene Bereiche und mir vorgestellt, für jeden Bereich gibt es ein grosses Fass. Auf jedem Fass steht der Namen des Inhaltes und zu jeder Belastung gibt es eine Entlastung:

Trauer/Traurigkeit                 Freude

Wut/Aggression                       Gelassenheit/Vertrauen

Hass                                           Liebe

Gier                                            Gabe/Hingabe

Angst                                          Mut

Das Fass mit der Trauer war randvoll und wollte gesprengt werden, damit es fliesst. Nur was in Bewegung ist, kann geheilt werden und so muss sich die angesammelte Trauer eine Bahn brechen, um auf sich aufmerksam zu machen. All unsere Gefühle möchten gesehen und wahrgenommen werden.

Es gibt Auslöser, die den Zugang zu der versteckten und oftmals unterdrückten Traurigkeit ermöglichen, z.B. Filme oder ein Zeitungsartikel oder ein Erleben, an dem man indirekt beteiligt ist.

Trauern kann man nicht nur um einen geliebten Menschen, sondern auch um jeden Gegenstand, der einem ans Herz gewachsen ist. Sobald ich das Gefühl habe, etwas verloren zu haben, muss ich mir erlauben, dieses zu betrauern. Uns wurde anerzogen, vermeintliche Nichtigkeiten nicht ernst zu nehmen und dass kein Grund bestände, traurig zu sein. Da sammelt sich im Laufe der Zeit vieles an, was immer wieder verdrängt wird. Ob es jetzt ein Kuscheltier aus Stoff ist, ein echtes Tier oder sonstiges, an dem das Herz hängt, das Gefühl des Verlustes ist immer gross und Wert, betrauert zu werden.

Autor: Ursula Ortmann, Rees

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2 Antworten zu Trauer und Tränen

  1. Georg Krause schreibt:

    Hallo,

    was Sie mit den verschiedenen Fässern sehr gut beschreiben, ist die Methode des Zulassens von Gefühlen, den Bewusst werden der Gefühle und der Verarbeitung der Gefühle.

    Sehr gut ist die Angabe der Bewegung… nur was in Bewegung ist… Ich rate gerne zur Bewegung, auch im tatsächlichem Sinne, also Bewegung in der Natur, verbunden mit der Aufarbeitung der Trauer. Ich veranstalte sog, Geführte Trauerwandeungen hier in der Natur durch, oftmals mit kleinen Trauerritualen auf dem Weg,

    Vielleicht noch am Schluß, Trauer ist nicht fürs stille Kämmerlein gedacht, sondern sollte in der Umgebung mit anderen Menschen, wenn irgendwie möglich, statt finden.

    Ich wünsche Ihnen viel Glück und eine schöne Zeit.

    Viele Grüße
    Georg Krause

  2. ursulaortmann schreibt:

    Lieber Herr Krause,

    vielen Dank für die guten Wünsche.
    Ich habe mich natürlich auf Ihrer Webseite umgesehen. Ich finde es gut, dass es Menschen gibt, die andere in ihrer Trauer begleiten. Familie und Freunde sind damit oft überfordert, teils weil sie selber zu sehr betroffen sind und teils, weil sie es einfach nie gelernt haben. Man sucht nach Worten, wo keine nötig sind.
    Ich wünsche Ihnen viel Kraft für ihre Zuwendungen.

    Liebe Grüsse
    Ursula

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