Die Vergangenheit lässt nicht los – Familienstellen –

Wir geben uns soviele Mühe, unschöne Dinge zu verdrängen, die uns sehr verletzt haben. Mit Bedauern stellen wir eines Tages fest, dass all das Mühen umsonst war. Es springt einen an, entweder spontan und klar oder auch versteckt durch Träume oder Erkrankungen.

Wir schieben nicht nur die verletzenden Erlebnisse von uns, sondern ganz viele Gefühle. Diese Gefühle wollen gesehen werden. Das Erlebnis will gesehen werden. Erst wenn wir sagen „Ja, das war so“ hört dieser Druck auf, dem wir ausgesetzt sind. Das hört sich verrückt an, doch in dem Moment, wo wir es als zu uns gehörig aufnehmen, lässt es uns los.

Für jeden ist es logisch, dass wir unsere Eltern nicht verleugnen können. Als Lebensgeber haben sie ein Recht auf Dank, auch wenn sie uns verletzt haben oder Verletzungen ausgesetzt haben. Wenn wir darauf verharren, jemanden zu hassen wegen erlittener Ungerechtigkeiten, binden wir uns an diesen Menschen. Hass ist noch stärker als Liebe. Indem unsere Gedanken immer wieder um diese Thematik kreist, rauben wir unserem Leben Energie und die Möglichkeit für neue, freundliche Erfahrungen.

Menschen ändern sich. Es gibt oft einfache Erklärungen für das verletzende Verhalten, dem man ausgesetzt war: selbst erlittene Lieblosigkeit der Eltern, Unkennntis, falsche Lebensvorstellungen, unkontrolliertes Verhalten (erlittene Demütingen werden an Schwächere ausgelassen). Wenn man die Möglichkeit hat, ein Elternteil zu fragen „Warum hast du das getan“ erhält man oft die verblüffende Antwort „Mein Umfeld hat von mir erwartet, dich durch Strenge zu einem tüchtigen Menschen zu erziehen“.

Neben Körperverletzungen gibt es sexuellen Missbrauch und seelischen Missbrauch. Bei den Aufstellungen ist feststellbar, dass mehrere Familienmitglieder davon Kenntnis haben, es verdrängen und wahrscheinlich sogar noch dafür sorgen, dass es verdrängt wird. Dem Kind, den Erwachsenen hilflos ausgeliefert, wird oft noch suggeriert, dass es Schuld daran trägt an deren verletzendem Verhalten.

Irgendwann im Leben wird man damit konfrontiert und wir müssen nicht nur unsere Aufmerksamkeit auf diese Verletzungen richten, sondern auch das Bild, dass wir von unseren Eltern, Grosseltern etc. hatten, ordentlich umkrempeln. Das Erkennen, dass es sich um Menschen handelt, die sich an kleinen Kindern vergreifen, ist schmerzhaft und es kann einen masslose Wut packen. Diese Wut ist sehr gesund, es löst die Erstarrung und veranlasst, näher hinzusehen. Irgendwann haben wir keine Worte mehr für unsere Verachtung und wir beginnen, diese Ereignisse nicht mehr als schwere Belastung anzunehmen. In dem Moment, wo wir es als eine unschöne Erfahrung in unserem Leben akzeptieren, ist es nicht mehr abgekapselt von uns. Es hat seinen Platz gefunden und wir können versuchen, dieses Fehlverhalten zu vergeben.

Wahrscheinlich ist dem einen oder anderen bei meiner Wortformulierung zum Kotzen zumute. Ich möchte der Vergangenheit die Schwere der Tat nehmen. Es ist Vergangenheit, es existiert in unserer Erinnerung. Die damit verbundenen Schmerzen – körperlich oder seelisch – brauchen wir nicht nochmal erleben, weil es vorbei ist. Wir können aus diesen Film aussteigen, indem wir sagen „ja, das war so.“

Autor: Ursula Ortmann, Rees

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